Warum der Jakobsweg in Frankreich für Franzosen etwas Besonderes ist – und welche Pilgerziele sonst noch zählen
Entdecken Sie die Magie Frankreichs: Von der Eiffelturm-Romantik in Paris über die malerischen Weinberge der Provence bis hin zu den historischen Schlössern der Loire - mein Blog nimmt Sie mit auf eine faszinierende Reise durch Kultur, Kulinarik, Geschichte und moderne Lebensart eines der vielfältigsten Länder Europas.
Die französische Presse ist kein homogener Block und war es nie. Sie ist entstanden zwischen staatlicher Kontrolle, politischem Streit und dem Bedürfnis, Informationen schneller zu verbreiten als Gerüchte. Wer sich mit ihr beschäftigt, landet schnell bei Machtfragen, weniger bei Technik oder schönen Layouts.
Als Startpunkt gilt meist 1631, das Erscheinungsjahr von La Gazette, gegründet von Théophraste Renaudot. Das Blatt entstand nicht aus journalistischem Idealismus, sondern mit Rückendeckung des Hofes von Ludwig XIII. und Kardinal Richelieu.
Wichtiges Detail:
Gedruckt werden durfte nur, was genehmigt war. Die Presse diente eher der Stabilisierung als der Kritik.
Typisch für diese Zeit:
Keine Meinungsartikel im heutigen Sinn
Starke Zensur
Fokus auf Hofnachrichten, Kriege, Diplomatie
Man könnte sagen: Zeitung als verlängerter Arm der Verwaltung.
Mit der Französischen Revolution änderte sich alles. Und zwar schnell. Sehr schnell.
Zwischen 1789 und 1793 erschienen in Paris mehrere hundert Zeitungen, oft kurzlebig, oft parteiisch, manchmal wütend. Namen wie Jean-Paul Marat (L’Ami du peuple) stehen für eine Presse, die offen agitierte.
Zahlen, die einordnen:
1788: rund 60 periodische Druckwerke
1791: über 300 Zeitungen, allein in Paris
Die Presse wurde zum politischen Werkzeug. Neutralität war kein Ziel. Haltung schon.
Mit Napoleon Bonaparte kam wieder Ordnung. Und Kontrolle.
1811: In Paris durften nur noch 4 Zeitungen erscheinen
Druckereien unterlagen Lizenzpflicht
Kritik am Staat war faktisch unmöglich
Ein Muster, das sich durchzieht: Öffnung, dann Rücknahme.
Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts veränderte sich die Presse strukturell. Eisenbahn, Rotationsdruck, Alphabetisierung. Alles greift ineinander.
Beispiel:
Le Petit Journal erreichte um 1890 über 1 Million Exemplare täglich
Verkaufspreis oft nur 5 Centimes, querfinanziert durch Anzeigen
Die Zeitung wurde ein Massenprodukt. Inhaltlich einfacher, sprachlich direkter.
Ein Vergleich aus heutiger Sicht:
Weniger Feuilleton, mehr Kurzmeldung. Weniger Tiefe, mehr Reichweite.
Trotz Massenmarkt blieb die Presse politisch sortiert:
monarchistisch
republikanisch
sozialistisch
katholisch
Objektivität war kein Leitbild. Lesende wussten meist, wofür ein Blatt stand.
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| Die Geschichte der französischen Presse. |
Nach dem Ersten Weltkrieg war die Presse wirtschaftlich angeschlagen. Viele Titel überlebten nur durch verdeckte Finanzierung, teils aus dem Ausland. Ein heikles Kapitel.
Während der deutschen Besatzung erschienen zahlreiche Zeitungen weiter, angepasst oder offen kollaborierend. Nach 1944 wurden viele davon verboten.
Neugründungen wie:
Le Monde (1944)
France-Soir (Nachkriegsboom)
standen bewusst für einen journalistischen Neuanfang. Mit wechselndem Erfolg.
Die Zahl der Titel blieb hoch, die Zahl der Eigentümer sank.
Große Mediengruppen prägen heute den Markt:
Dassault
Lagardère
Bolloré
Redaktionen existieren, aber wirtschaftlicher Druck ist ständig präsent. Klassische Tageszeitungen verlieren Auflage, Online-Angebote gewinnen, ohne das alte Geschäftsmodell zu ersetzen.
Eine typische Situation aus der Praxis:
Redaktionen sparen zuerst bei Auslandsberichterstattung. Dann bei Recherchezeit. Das merkt man.
Die französische Presse war selten frei im idealistischen Sinn. Aber sie war fast immer politisch relevant. Vielleicht gerade deshalb.
Wer historische Ausgaben französischer Zeitungen liest, merkt schnell: Haltung war normal, Neutralität die Ausnahme. Das wirkt heute fremd, hat aber etwas Ehrliches. Mir erscheint die frühe Offenheit für Parteinahme oft transparenter als der moderne Anspruch auf Objektivität, der wirtschaftliche Abhängigkeiten gern verdeckt. Keine romantische Sicht. Nur ein Eindruck aus der Lektüre.
Üblicherweise mit La Gazette im Jahr 1631. Frühere Flugschriften gab es, aber keine regelmäßige Zeitung im modernen Sinn.
Kurzzeitig ja, etwa während der Revolution. Dauerhaft erst ab dem späten 19. Jahrhundert, und auch dann mit Einschränkungen.
Weil Zeitungen als politische Instrumente verstanden wurden. Finanzierung, Leserschaft und Inhalte waren eng verknüpft.
Le Monde gilt als wichtiges Nachkriegsprojekt mit journalistischem Anspruch. Historisch prägend waren aber auch viele heute verschwundene Titel.
Traditionell stärker meinungsbetont, weniger föderal organisiert, stärker zentralisiert auf Paris.
Ja, aber begrenzt. Print hat Einfluss, Reichweite entsteht zunehmend online.
Weil wenige Eigentümer großen Einfluss auf redaktionelle Ausrichtung und wirtschaftliche Entscheidungen haben.
Labels/Tags:
französische presse, mediengeschichte, pressegeschichte frankreich, journalismus, europäische medien
Meta-Beschreibung:
Überblick zur Geschichte der französischen Presse: von staatlicher Kontrolle über Revolution bis zur modernen Medienlandschaft. Sachlich und fundiert.
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